Die Frage in Don’t rock the boat! finde ich sehr interessant. Schon seit einiger Zeit ist mir bewusst, dass das biblische Umfeld sehr viel mehr gruppenorientiert ist als die Gesellschaft in den westlichen Ländern. Daher würde ich vermuten, dass die Gemeinden in unseren Ländern nicht so gut begreifen, was es heißt „der Leib Christi“ zu sein, wie Menschen aus gruppenorientierten Gesellschaften. Auf diesem Hintergrund fällt es mir schwer, zu glauben, dass gruppenorientierte Völker ungesunder sein könnten als individualistische Gesellschaften.

Als ich heute früh in Epheser 4 las, entdeckte ich eine mögliche Antwort:

15 Vielmehr stehen wir fest zu der Wahrheit, die Gott uns bekanntgemacht hat, und halten in Liebe zusammen. So wachsen wir in allem zu Christus empor, der unser Haupt ist. 16 Von ihm her wird der ganze Leib zu einer Einheit zusammengefügt und durch verbindende Glieder zusammengehalten und versorgt. Jeder einzelne Teil erfüllt seine Aufgabe, und so wächst der ganze Leib und baut sich durch die Liebe auf. (GNB)

Die Gemeinde ist der Leib Jesu, er ist das Haupt der Gruppe, und er fügt uns zu einer Einheit zusammen. Diese Gruppenorientierung ist wichtig, aber gleichzeitig ist Gott auch am Einzelnen interessiert. Wir sind gerufen in persönlicher Verantwortung vor Gott „aufrecht zu stehen“ und nicht uns zur Gruppe hin „zu verbiegen“ (s. Leanne Payne). Gott begegnet uns in sehr individueller Art, ist daran interessiert das Potential der von ihm gegebenen Gaben zu entfalten, und gibt uns Freiraum unseren eigenen Weg zu gehen, selbst wenn es für uns selbst und die Gemeinschaft schädlich ist.

Auf der anderen Seite dürfen wir nicht übersehen, „dass wir alle zusammen den vollkommenen Menschen bilden“ (Eph. 4,13, GNB) d.h. wir als Gruppe und nicht ich als einzelner Christ.

Was bedeutet das also für die ursprüngliche Frage?

Jede Gruppe, die nicht Gott als Mitte hat und Jesus als Haupt, wird dazu tendieren die Gruppe zum Götzen machen, die Gruppenharmonie zur obersten Priorität, und die Aussagen des Leiters als unumstößlich zu betrachten. Das mag für eine Zeit gut gehen. Aber sobald der Einzelne nicht länger ermutigt wird, auf sein Gewissen zu hören und in Verantwortung vor seinem Herrn und Schöpfer „aufrecht zu stehen“, wird die Gruppendynamik leicht dysfunktional (gestört, ungesund)) und missbrauchend. Das Prinzip trifft wahrscheinlich auf jede Art Gruppe zu – inklusive christliche Gruppen und Gemeinden. Die Einzelperson braucht die Gruppe, aber die Gruppe braucht auch die gesunden Einzelpersonen. Das funktioniert aber nicht, wenn die Gruppe wichtiger wird als die Einzelperson, und die Gruppenharmonie auf Kosten des Einzelnen erzwungen wird.

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