Vor etwa zwei Jahren hörte ich das erste Mal vom so genannten Freudenzentrum in unserem Gehirn.1 Es war für mich faszinierend zu lernen, wie wichtig Freude für die gesunde Entwicklung unseres Gehirns und unserer charakterlichen Reife ist.2 Dieses Freudenzentrum wird vor allem dadurch entwickelt, wenn wir Gemeinschaft in geborgenen Beziehungen erleben. Unser Freudenzentrum wächst immer dann, wenn wir merken, dass sich jemand freut mit uns zusammen zu sein, wenn unsere Gegenwart die Augen eines anderen zum Funkeln bringen. Das spielt sich normalerweise unbewusst ab und kann darum auch nicht vorgetäuscht werden. Dieser „Freudenfluß“ beginnt in unserer rechte Gehirnhälfte, kommuniziert über unsere linke Gesichtshälfte, zur linken Gesichtshälfte des anderen und dann zu seiner rechten Gehirnhälfte. Unser Gegenüber schickt dann auf dem gleichen Weg die Botschaft zurück – all das passiert sechs Mal pro Sekunde und wird immer stärker je länger man sich ansieht.3 Echt cool!

Kurz nachdem ich zum ersten Mal darüber las konnte ich genau dieses freudige Funkeln beobachten – in den Augen eines Freundes in unserem Dorf und im Gesicht der 3-jährigen Tochter von Kollegen – und mir wurde bewusst, wie sehr es mir das Herz wärmt. Seither habe ich es in vielen Gesichtern beobachtet und mich darüber gefreut wie faszinierend Gott uns geschaffen hat.

Auf diesem Hintergrund fällt mir seither vermehrt auf, wie oft die Bibel von der Wichtigkeit der Freude spricht, von der Freude am Herrn. In Nehemia 8,10 lesen wir „Die Freude am HERRN ist eure Stärke (euer Schutz, wie eine schützende Mauer).“ Ich habe im letzten Jahr viel über diesen Vers nachgedacht und neu verstanden, dass es dabei wahrscheinlich um unsere Freude geht, mit ihm zusammen zu sein, egal was rund um uns herum passiert. Das gibt uns Kraft und befähigt uns auch schwierige Zeiten zu durchstehen. Wenn unser Freundenzentrum nämlich nicht gut entwickelt ist, dann können uns Schwierigkeiten zu viel werden und überwältigen. Das macht dann den großen Unterschied ob wir etwas als Leiden empfinden oder als traumatische Erfahrungen.

Besonders bezeichnend finde ich den Vers in Zephania 3,17 „Der Herr hat Freude an dir, er droht dir nicht mehr, denn er liebt dich; er jubelt laut, wenn er dich sieht.“ Gibt es eine bessere Beschreibung für Gottes Freude mit uns zusammen zu sein? Gottes Augen „funkeln“ sozusagen wenn er uns ansieht – egal ob wir gerade gut drauf sind oder nicht, fleißig oder faul, Erfolg haben oder versagen. Er freut sich mit uns zusammen zu sein, weil wir seine geliebten Kinder sind. Aus eigener Erfahrung weiß ich wie schwer wir uns oft tun, das wirklich im Tiefsten zu verstehen und zu akzeptieren, weil wir so von unserer leistungsorientierten Gesellschaft geprägt sind. So ist es gut sich daran zu erinnern, dass Gottes Freude über uns damit zu tun hat wer wir sind, nicht was wir tun!

Für uns ist es eine zweifache Einladung:

  • noch bewusster ein Leuchten in die Augen anderer zu bringen indem wir ihnen zeigen, dass wir gerne mit ihnen zusammen sind.
  • das Leuchten in Gottes Augen zu erhöhen indem wir Zeit mit ihm verbringen und ihm zeigen, dass auch wir uns über ihn freuen.

Wann hast du das letzte Mal den Herrn mit leuchtenden Augen angesehen, dich an seinem Jubel über dich gefreut und zurück gejubelt?

Fußnoten:

1 Durch das „Life Model: Living from the heart Jesus gave you“ vom Shepherd’s House, Kalifornien.
2 Diese Einsichten sind eine Kombination aus der Seelsorge und von neuesten Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft.
3 Dieses gegenseitige Anfunkeln ist fast die wichtigste Nahrung eines Babys. Sie beginnen mit diese Entwicklung mit 3 Monaten und erleben einen Höhepunkt mit 9 Monaten, wenn sie bis zu acht Stunden am Tag die Mutter anlächeln können. Wo diese freudenbezogene Bindung fehlt kommt es zu Fehlentwicklungen. Das Großartige aber ist, dass dieser Teil des Gehirns nie aufhört zu wachsen und wir darum den Mangel nachholen können – in der geborgenen Verbindung mit anderen Menschen und mit Gott.

One thought on “Freude

  1. very interesting & thought-provoking, an impetus to plant seeds of joy. I read part of it to a minister’s wife who mentors others, sometimes in marriage counseling.

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