Life-Model Häppchen Nr. 2 – Freuden-Tanz

Eine der grundlegenden Fähigkeiten, die im Life Model und bei den Thrive Konferenzen unterrichtet werden, ist Freude mit anderen zu teilen und dadurch das Freuden-Zentrum in unserem Gehirn zu stärken. Es ist die erste von 19 lebenswichtigen Fähigkeiten, die uns helfen, die charakterliche Reife zu erreichen, die unserem körperlichen Alter entspricht.

Es ist eine sehr einfache Übung und wir haben sie mehrmals während der Thrive Konferenz praktiziert. Vermutlich half es uns nicht nur, die Fähigkeit „Freude teilen“ zu erlernen, sondern sie half uns auch, eine bessere Verbindung mit unserem Trainings-Partner zu entwickeln, was wir für die anderen Übungen benötigten. Man findest sie in der  Thrive – Grundlegende Fähigkeiten, 1. Jahr Schulungsanleitung (in Englisch), geschrieben von Jim Wilder, Chris und Jennifer Coursey.

Ich fand eine ähnliche Beschreibung dieser Übung in einem Buch von Susan Kuchinskas Die Chemie der Verbundenheit und sie nennt sie Bindungs-Tanz. Auf Grund dieser zwei Quellen beschloss ich, es Freuden-Tanz zu nennen.

Die folgende Beschreibung verbindet die Anweisungen dieser zwei Quellen.

Wilder und Courseys Beschreibung ist besser geeignet für bewusste Übungen, während die Beschreibung von Kuchinskas im täglichen Leben natürlich integriert werden kann. Kuchinskas gibt eine Beschreibung für Eltern und eine andere für Erwachsene. Das Folgende basiert auf ihrer Anweisung für Erwachsene.

  1. Wähle eine ruhige Zeit und eine Situation, wo es natürlich für euch beide ist, einander gegenüber zu sitzen, wie z.B in einem Kaffeehaus oder im Wohnzimmer. Sitze nahe genug, sodass sich eure Knie berühren könnten.
  2. Fange an, wenn sich euer Blick kreuzt, und ihr einander in die Augen schaut bis einer von euch wegschaut. Gib dir die Erlaubnis, wann immer nötig wegzuschauen (Das ist kein Anstarr-Wettbewerb à la Garfield.) ; -)
  3. Halte den Blick deines Freundes (deiner Freundin) bewusst während einiger Momente aus, solange es angenehm ist. Beobachte deine Körperreaktion: Ist deine Atmung langsam oder fühlst du ein Zusammenziehen in deiner Brust? Lehnst du dich zurück, sitzt du aufrecht oder lehnst du dich vorwärts?
  4. Wann immer es notwendig ist, lass deinen Blick im Raum herumschweifen. Du kannst auf den Mund oder die Hände des Freundes schauen oder etwas anderes in der Umgebung betrachten.
  5. Blicke wieder auf den Freund und nimm wahr, wenn sie (er) deinen Blick erwidert. Wenn es natürlich scheint, sag etwas Positives über eure Beziehung. Wenn es nicht natürlich scheint, sag es dir selber (in deinen Gedanken). Du kannst an so einfache Dinge denken wie „Ich mag sie wirklich“, oder „Sie ist so eine wertvolle Person“. Denk darüber nach, was du an deinem Freund (deiner Freundin) schätzt.
  6. Fahre fort, zu beobachten, wie dein Körper reagiert. Gibt es irgendeine Veränderung? Was auch immer du spürst, ist okay.
  7. Wiederhole den Prozess solange es sich ok anfühlt.
  8. Wenn du das mit einem Freund als bewusste Übung tun möchtest, dann sprecht euch ab, sie für 3 Minuten zu tun, einander ansehen und wieder wegsehen wann immer nötig, und danach besprecht ihr, wie ihr die Übung erlebt habt.

(Wilder & Coursey S 1-2; Kuchinskas S 67-68)

Das Ziel ist, in deiner Komfortzone zu bleiben, wenn du dich dem anderen näherst und dich dann wieder zurückziehst. Wenn die Übung erfolgreich war, dann empfindest du eine stärkere Verbundenheit mit dem anderen. Du fühlst dich näher zu der Person und erlebst Vertrautheit mit ihr sowie geteilte Freude. In einer erfolglosen Übung fühlst du Spannung, Angst und Furcht. Du könntest den Wunsch fühlen, wegzulaufen oder die Person zu vermeiden.

Wilder und Coursey erwähnen auch, dass es nicht gut funktioniert, wenn man müde ist, oder durch etwas anderes genervt oder aufgeregt ist, oder wenn man mit der anderen Person keine positive Verbindung hat. In meiner Erfahrung funktioniert es auch nicht gut, wenn es eine unterschwellige Spannung in der Beziehung gibt. Anderseits, selbst wenn man einander nicht sehr gut kennt, aber beide motiviert sind, diese Fähigkeit zu erlernen, kann es trotz einer fehlenden Bindung gut funktionieren. Zumindest war das meine Erfahrung auf der Konferenz. Allerdings ist es nicht empfehlenswert, es mit einer Person des anderen Geschlechts zu üben, wenn das nicht dein Partner ist.

Was geschieht hier wirklich?

Der ganze Prozess ist eine wortlose Kommunikation zwischen den rechten Gehirn-Hemisphären zwischen zwei Menschen, indem wir unseren am meisten gewünschten positiven emotionalen Zustand einander mitteilen – dass wir es genießen, mit der anderen Person zusammen zu sein. Es stärkt unser Freudenzentrum, und dadurch wird unsere Freudestärke erhöht, die es uns ermöglicht, besser mit Problemen und Leiden umzugehen. Und es setzt Dopamin frei.

Jüngste Gehirnforschungen haben entdeckt, wie unsere rechten Gehirnhälften miteinander kommunizieren.

Ein Signal wird von der rechten Gehirnhälfte der Person A gesendet (um genau zu sein – vom rechten präfrontalen Kortex) und durch das linke Auge (oder die linke Gesichtshälfte) ausgedrückt, vom linken Auge der Person B wahrgenommen, und zu deren rechten Gehirnhälften kommuniziert. Dann wird die gleiche Art von Signal zurückgesendet, vom der rechten Gehirnhälfte, zum linken Auge von Person B, zum linken Auge der Person A und zu deren rechten Gehirnhälfte. Das Hin und Her dieser Kommunikation geschieht sechsmal pro Sekunde und wird stärker je länger es passiert. Ist das nicht faszinierend? Das ist selbstverständlich vollständig unbewusst und kann nicht gefälscht werden.

Du hast vermutlich schon Menschen gesehen, deren Augen funkeln, wenn sie einander betrachten. Das passiert vor allem wenn Menschen verliebt sind, aber nicht nur dann. Es geschieht auch zwischen Eltern und Kind. Es geschieht zwischen guten Freunden. Es geschieht jedesmal, wenn wir froh sind, mit jemand zusammen zu sein. Es ist unsere rechte Gehirnhälfte die unserem Gegenüber ohne Worte sagt, dass wir uns freuen mit ihr (ihm) zusammen zu sein. Ohne diese freudige Erfahrung des Zusammenseins mit anderen Menschen, die froh sind, mit uns zusammen zu sein, können wir keine Ganzheitlichkeit erfahren. Obwohl wir uns über schöne Dinge freuen können, wie einen Sonnenuntergang oder ein Gemälde. Freude ist beziehungsorientiert und daher am stärksten (und verstärkt), wenn sie in Beziehungen erlebt wird. Nach Ansicht einiger Neurologen ist es das grundlegendste menschliche Bedürfnis, das „Funkeln im Auge eines anderen zu sein.“ Oder mit anderen Worten – den Freudentanz zu tanzen. 🙂

Auf diesem Hintergrund wurde ich noch mehr berührt von der Aussage in Zefanja 3,17 –

Der Herr, dein Gott, ist in deinen Mauern, er ist mächtig und hilft dir.
Er hat Freude an dir,
er droht dir nicht mehr, denn er liebt dich;
er jubelt laut, wenn er dich sieht.“

Ich habe sehr lange gebraucht, um zu verstehen, dass Gott sich an mir freut, über mich jubelt, selbst wenn ich Mist gebaut habe. Seine Liebe und Freude über uns hängt nicht von unserer Vollkommenheit ab. Es hat lange gebraucht zu begreifen und es glauben zu können, dass Gott einen Freudentanz wegen mir aufführt. Heute weiß ich, dass es stimmt und es erfüllt mich mit großer Freude und Dankbarkeit.

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